Flüchtlings­familien­gemeinschafts­dachboden

»Von weither und fremd, überall fremd. Aus Böhmen und ohne Haus.«

»Sollten diese selbigen Dachböden nicht nächstens bald für die Flüchtlinge ausgebaut werden? Für teures Geld, ein Vermögen? Ausgebaut zum Drinwohnen, was mag das beiläufig kosten? Oder wohnen die Flüchtlinge längst? Längst untergebracht, teils da und teils anderweitig … Haushoch diese Dachböden auf dem Schoulhaus. Sind wie entlegene Wälder und Schluchten, der Tag findet da nicht hin.«

aus: Kein Frühling (2014)

»Sowieso überall im Dorf Flüchtlingsfamilien, Strohsäcke, Amibetten, Flüchtlingsdecken und Flüchtlingskisten. Die Kisten als Möbel und als Ersatzmöbel. Ungeheizte Wohn- und Schlafkammern. Auf Bezugsschein ein Flüchtlingsofen, aber wie soll man ihn anschließen? Kein Ofenrohr, kein Rauchabzug und im Oberstock der Schornstein ist auf der anderen Seite. Zerbrochene Fenster, geflickte Fenster. Zeitungen und Packpapier auf die Fensterscheiben geklebt. Lebensmittelmarken, Bezugsscheine und die Not. Hausierer, Schwarzhändler, Hamsterer, Diebe, Hofhunde, Kettenhunde, Vorhängeschlösser. Amtliche Bekanntmachungen, ein Dekret der Besatzungsmacht, Not, Hunger und fremde Wörter. Und kommen immer noch Flüchtlinge.«

aus: Oktober und wer wir selbst sind (2007)

Aus Peter Kurzecks Werk

Peter Kurzeck

Franzensbad

aus: Peter Kurzeck liest aus Vorabend. Frankfurt: Stroemfeld 2011.

Peter Kurzeck

Ein naßkalter Tag ...

aus: Kein Frühling. Frankfurt a. M./Basel: Stroemfeld/Roter Stern (3. Auflage) 2014, S. 375